Da ich inzwischen eine Anzahl Auditaufträge und Berateraufträge bezüglich des neuen ISO 14001 Standards für Umweltmanagementsysteme durchgeführt habe, lohnt es sich, um kurz zurückzuschauen. Welche Wirkung hat die neue Norm gehabt? In diesem Artikel möchte ich einige spezifische Erfahrungen und Einsichten mit Ihnen teilen.

HLS-Struktur trägt zur Integration von Managementsystemen bei

An erster Stelle lässt sich feststellen, dass die eingesetzte “high level structure” für Managementsystemnormen zum integralen Entwurf von Managementsystemen beiträgt. Die neue, eindeutige Struktur der Normen erleichtert es Betrieben, die verschiedenen Normen in einem Managementsystem zu integrieren. Auch die benutzten Begriffe und Prinzipien sind deutlicher und anwendbarer für die verschiedenen Normen. Mit den neuen Normen für Qualitätsmanagementsysteme (ISO 9001:2015) und Umweltmanagementsysteme (ISO 14001:2015) und bald auch für Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme (ISO 45001 in Entwicklung) wurde meiner Ansicht nach betriebswissenschaftlich ein großer Schritt nach Vorne gemacht. Natürlich ist eine Vertiefung in das Thema unabdingbar, um ein integriertes Managementsystem auf die richtige Art und Weise installieren zu können.

Kontext des Betriebes (4) und Planung (6) ausschlaggebend

Diese beiden Elemente der ISO 14001 sind meiner Meinung nach am wesentlichsten. Wenn diese beiden Paragrafen nicht gut ausgelegt werden, dann verfehlt das Umweltmanagementsystem seine Relevanz. Daher verwende ich darauf auch während des Audits und der Implementierung die meiste Zeit.

Die Normelemente bezüglich des Kontextes waren / sind für viele Betriebe eine Suche nach der Auslegung dieser Normen. Auch für den Auditor ist es eine Herausforderung, unter anderem wegen der Tatsache, dass im Prinzip keine Dokumente oder Registrationen vorgeschrieben sind. Um es vereinfacht zu sagen, sieht es so aus, dass die Betriebe wissen müssen, wie die Umgebung in welcher sie arbeiten, aussieht. Konkret bedeutet dies die Einsicht in die verschiedenen Interessen aller Beteiligten und die damit verbundenen Umwelt-Probleme, auf welche der Betrieb Einfluss haben kann, und die es zu benennen gilt. Es geht um Umweltchancen- und Bedrohungen. Gute Einsicht in diesen Kontext gibt dem Betrieb strategische Möglichkeiten hinsichtlich der Umwelt. Hieraus wird auch sofort die Führung des Top-Managements ersichtlich: Man ist auf dem Laufenden und es werden Umwelt-Probleme antizipiert.

Die inventarisierten Fragen aus dem Kontext müssen in Handlungen umgesetzt werden. Die Koppelung der Kontextanalyse mit der Planung muss deutlich sichtbar sein. Planung bedeutet zunächst das Identifizieren der relevanten Umweltaspekte, welche gekoppelt sind an die Fragen aus dem Kontext, die Gesetz- und Regelgebung und die Effekte des Betriebes auf die Umwelt. Nach der Benennung folgt die Priorisierung und die Definition von Handlungen und Maßnahmen. Eine gute Systematik und sorgfältige Auslegung der Planung ist ein Must.

Abschließend

Die neue Norm bietet Organisationen die Möglichkeit, sich von anderen zu unterscheiden und ihr Managementsystem hinsichtlich der Umwelt zu optimalisieren. Dadurch, dass man den Kontext eines Betriebes als Ausgangspunkt nimmt, wird die Umwelt nachdrücklicher an die Strategie des Betriebes gekoppelt. Letztendlich führt dies zu relevanten Umweltmanagementsystemen.